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Ein Ausflug ins wunderschöne Maderanertal.
Es versprach ein schöner Tag zu werden, als wir uns (Barbara, Bernhard, Rudi und ich) um 06:30 Uhr beim Bahnhof in Lyss einfanden. Im Zug wartete schon Noemi auf uns, in Münchenbuchsee stieg Georg dazu und auf dem Perron in Bern ergänzte Andreas Sommer unsere Gruppe. Während der Fahrt wurde uns die Zeit nie lang, Themen gab’s genug. Die WM in Südafrika und vor allem das Spiel am Nachmittag; Deutschland gegen Argentinien, gaben zu reden. Andreas hat extra beim Hüttenwart angerufen und die besten Plätze vor dem Fernseher zu reservieren. Nun, die besten Plätze konnte er uns garantieren, den Fernseher aber, den hätten wir selber mitbringen müssen. (Wie kann man nur so ein Fussballbanause sein?)
Mit dem Postauto fuhren wir anschliessend via Amsteg über die steile und kurvenreiche Strasse nach Bristen hinauf und weiter bis zur Talstation der Seilbahn in Golzern. Die Strasse hinauf nach Bristen war steil und kurvenreich, zeitweise war die Fahrbahn so eng, dass sich 2 PWs nicht hätten kreuzen können, vor allen nicht mit einem Postauto. Oben angekommen, wurde die Strasse wieder breiter und ich ruhiger, weil der befürchtete Super-Gau nicht stattfand.
An dieser Stelle sei gesagt, dass Bristen und das Madranertal für mich weisse Flecken auf der Landkarte darstellten, weil ich zuvor noch nie in diesem Teil von Uri war und so machte ich mich daran, nach dem Aussteigen, die Umgebung abzutasten.
Dabei erinnerten wir uns an das Unwetter im Jahre 2005, als heftige Niederschläge über Bristen niedergingen und grosse Schäden verursachten. Heute sind Dorf und Talstation wieder aufgebaut und nur noch die Abschlussarbeiten an den neuen Dämmen erinnern an das Unglück von damals. Kurz vor dem Abmarsch bereitete sich jeder auf seine weise vor; da wurde noch die Sonnencreme ausgepackt um Versäumtes nachzuholen, dort wurde das Gepäck einer letzten Prüfung unterworfen und die Riemen angezogen, auch erste Fotos wurden gemacht. Bevor wir losmarschierten, hat Rudi uns anhand der Karte die Route und das heutige Ziel erklärt und dann ging es los.
Von der Station aus führte das Talsträsschen entlang dem wild rauschenden Kärstelbach, vorbei an Bergwiesen über die Legni zum Hotel Maderandertal, wo wir gegen Mittag ankamen. Hier rasteten wir und nahmen unser Mittagessen ein. Dieses bestand aus einem Teller Suppe und vielen guten Ratschlägen, wie das WM Spiel doch noch zu sehen wäre. Die Wagemutigen bestellten sich ein Bier, die Vorsichtigeren beliessen es bei Mineralwasser.
Nachdem wir aufgetankt hatten, brachen wir auf. Ein schmaler Pfad hinter dem Hotel führte uns durch den Wald steil nach unten. Auf dem Talgrund wichen wir weidenden Kühen und Alpenpizzas aus und überquerten einen Ausläufer des ansonsten reissenden Kärstelbaches. Wir beschlossen, dass sich hier ein jeder der Gruppe bei der Rückkehr am nächsten Tag, ein Stein aussucht und heim nimmt. Mit diesen Steinen wollen wir später gemeinsam auf dem Grab von Bernhard eine kleine Steinpyramide aufschichten; Bernhard zum Gedenken und als Zeichen der Anteilnahme für seine Familie. Der Weg verlief entlang der Flanke auf der linken Talseite, führte über Kuhweiden und begann bald stärker anzusteigen. Oben auf der Schulter, bei der Wegkreuzung, wo unser Weg zur Hinterbalm Hütte abzweigte, stand ein Brunnen mit kühlem und klarem Wasser. Daneben standen zwei Flaschen mit Sirup und Gläser für durstige Wanderer, die sich hier gegen einen freiwilligen Beitrag bedienen duften. Nachdem ich das Wasser gekostet hatte, glaubte ich noch nie etwas so Gutes getrunken zu haben.



Über eine vorerst bewaldete und später mit Büschen und Gras durchsetzten Steilstufen stiegen wir hoch bis zur Hinterbalmhütte auf 1837m. Die Hütte bestand aus mehreren kleinen Gebäuden, lag linker Hand einer Hochebene, die sich talaufwärts fortsetzte und ist für maximal 40 Gäste eingerichtet. Oben angekommen, legten wir erst einmal unser Gepäck ab und streckten alle Viere von uns. Der erfahrene Hüttenwart sah sofort, dass wir durstig und müde waren. Er erfüllte umgehend die Wünsche der Ankömmlinge nach kühlen Getränken, später zeigte er uns die Schlafplätze für die Nacht. Nachdem wir die Schlafsäcke ausgelegt- und uns frisch gemacht hatten, wurde im Aufenthaltsraum eine Runde Jass geschoben. Derweil ging der Hüttenwart daran, mit seinen Gehilfen das Nachtessen zu kochen. Während wir beim Jassen unseren Spass hatten, liess sich Bernhard telefonisch über den Stand des Spiels Deutschland – Argentinien informieren. Nach kurzer Zeit stand es schon 3:0 für Deutschland und damit war die Spannung weg; das 4. Tor interessierte dann kaum noch. Als der Hüttenwart das Nachtessen ankündigte, brachen wir das Spiel (vorerst) ab. Die Mahlzeit bestand aus drei einfachen, aber guten Gängen, die vom Koch und seinem Team mit einfachsten Mitteln zubereitet wurden. Dafür gebührt ihnen unsere Dankbarkeit und Respekt. Das Ganze wurde durch ein gutes Glas Wein unterstrichen. Nach dem Essen hatte einer aus der Runde die Idee, Molotow zu spielen. Bei diesem Spiel konnten alle mitmachen. Nachdem die Regeln bekannt waren, stand fest, dass es ein fieses – aber lustiges Spiel werden würde. Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, wer gewonnen hat, aber Rudi und Georg machten den Sieger von hinten unter sich aus und der Gewinner hatte dem Verlierer einen (hausgemachten) Nussgipfel zu spendieren: Georg gewann und Rudi hat das Gebäck sichtlich genossen.


Auch der schönste und kurzweiligste Abend endet einmal und wir krochen in unsere Schlafsäcke. Nach einer kurzen und geräuschintensiver Nacht (jemand sägt immer) standen wir früh auf, räumten unsere Sachen zusammen und begaben uns nach unten zum Frühstück. Bevor wir uns beim Wirt und seinem Team für die Gastfreundschaft bedankten und verabschiedeten, schrieben wir noch einen kleinen Beitrag in das Gästebuch. Das Wetter versprach, wie am Vortag, schön und heiss zu werden als wir den Rückweg antraten. Der Abstieg verlief zügig, machte sich aber in den Knien bemerkbar. Unten, bei der seichten Stelle am Fluss, hielten wir an und suchten, wie am Vortag beschlossen, jeder seinen Stein für Bernhard. Bei dieser Gelegenheit übten wir schon einmal das Aufstellen einer Pyramide und wir sahen, dass die kein leichtes Unterfangen werden würde. Auf dem Rückweg gingen wir dieses mal den direkten Weg und liessen dabei das Hotel Madranertal rechts liegen. Bei der Käserei auf der Alp Stössi machten wir Halt, genossen die kühlen Milchshakes und deckten uns mit Käse (zum Heimnehmen) ein.
Kurze Zeit später, nachdem wir unseren Weg fortgesetzt hatten, fand Barbara mitten auf der Strasse einen kleinen Vogel sitzen. Rein äusserlich schien er unverletzt, dennoch konnte er nicht wegfliegen, so sehr er sich abmühte und flatterte. Es muss sich um ein Jungvogel gehandelt haben, der aus dem Nest gefallen ist, das liess sein vollständiges, aber kurzes Gefieder vermuten. Barbara riss Gras aus und trug den kleinen Piepmatz damit an eine tiefer gelegene Stelle wo dieser (vorerst) gerettet war.

Nach diesem kleinen Intermezzo marschierten wir zügig weiter und erreichten kurz vor 13:00 den Ausgangspunk unserer Wanderung: die Talstation in Golzern.
Bis zur Abfahrt des Postautos verblieben uns noch über eine Stunde und so nahmen wir beim nahegelegenen Kiosk noch ein Bier zur Brust – und die Gelegenheit war, noch eine Runde Molotow zu spielen. Wir erreichten den Bus trotzdem rechtzeitig und ergatterten sogar noch Sitzplätze im völlig überfüllten Car. Auf der Fahrt hinunter ins Tal überliessen wir das Reden für einmal den Mitreisenden, weil wir alle recht müde waren. In Erstfeld bestiegen wir den Zug und ab ging’s nach Hause. Auf der Heimreise begann es zu regnen und in Luzern hatte die Lock einen Defekt, der uns aufhielt, aber sonst verlief die Heimreise unspektakulär. Ab Bern verabschiedeten sich die Leute in der Reihefolge, wie sie am Vortag zugestiegen waren. In Lyss wartete schon Roman auf seine Eltern und ich war froh, dass Sie mich noch mit dem Auto nach Hause brachten.
Hitze und Steigung machten uns zu schaffen und manch einer musste auf die Zähne beissen. Wir haben uns gegenseitig motiviert und so die Herausforderung gemeinsam gemeistert. Dabei durften wir auch neue, bisher unbekannte Seiten von einander entdecken. Obwohl ich erst am Donnerstag wieder ohne schmerzen Treppe hinunter steigen konnte, war es ein nachhaltiges Gruppenerlebnis und ich werde im nächsten Jahr wieder dabei sein.
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