Die World Karate Federation hat per Anfang Jahr das Wettkampf-Regelwerk überarbeitet. Die Änderungen, welche auch in der Schweiz übernommen werden, geben neue Impulse an den Turnieren. Das sind die wichtigsten Neuerungen.
Die Maske und der Panzer
Eine der augenfälligsten Neuerung betrifft einen Aspekt, der den Kampfverlauf wohl eher wenig beeinflussen wird. Trotzdem sticht sie heraus und sorgt für Gesprächsstoff. Die Rede ist von der Gesichtsschutzmaske, welche für unter 16-Jährige obligatorisch ist. Für diese Alterskategorie gehört ebenfalls ein Oberkörperschutz neu zur obligatorischen Schutzausrüstung.
Beide Ausrüstungen werden in der Schweiz vorerst nicht eingeführt!
Zeit
Was bereits im letzten Jahr eingeführt wurde, steht nun definitiv im Reglement: die Kampfzeit der Finale und der Kämpfe um die dritten Plätze dauern für über 16-Jährige 1 Minute länger, bei den Frauen also 3, bei den Männern 4 Minuten.
Das Atoshibaraku-Signal, welches bisher die letzten 30 Sekunden einläutete, erklingt neu erst 10 Sekunden vor Kampfende. Das hat damit zu tun, dass für diese letzten Sekunden gewisse Vergehen stärker geahndet werden. Das Signal soll Schiedsrichter und Wettkämpfer an diese Schwelle erinnern.
Ippon, Nihon, Sanbon
Mit der Vereinfachung der Punktevergabe, soll vor allem für die Zuschauer mehr Transparenz geschaffen werden. Neu gibt es…
Sanbon (3 Punkte)
Für wertbare Techniken, wenn der Gegner auf dem Boden liegt (egal, ob er geworfen wurde oder selbst hingefallen ist).
Nihon (2 Punkte)
Für Chudan-Fusstechniken.
Ippon (1 Punkt)
Für Zuki und Uchi.
Berührung ja oder nein?
Einfacher geregelt ist auch die Frage, ob und bei wem Berührungen erlaubt sind. Die Regeln hierzu wurden für Jugend und Junioren gleich gesetzt: Fausttechniken zum Kopf dürfen nicht berühren. Fusstechniken zum Kopf dürfen leicht berühren (ohne eine Verletzung zu verursachen). Die maximale Distanz bei Jodan-Techniken beträgt neu 10 Zentimeter, bei der Elite nach wie vor 5 Zentimeter.
Encho-Sen gibt es nicht mehr
Eine radikale Änderung betrifft Kämpfe, die mit Unentschieden enden. Verlangen diese nach einer Entscheidung, wird künftig kein Encho-Sen (Verlängerung um max. 1 Minute bis zum ersten Punkt) folgen, sondern Sai-Shiai.
Sai-Shiai ist ein neuer Kampf, der eine Minute dauert. Für diesen werden sowohl die Punkte als auch die Strafen aus dem Hauptkampf zurückgesetzt. Gewonnen hat, wer nach dieser Minute die meisten Punkte hat. Endet auch dieser Kampf in einem Unentschieden, entscheidet das Kampfgericht darüber, wer gewinnt (Hantei).
Härtere Gangart
Das Übertreiben von Verletzungen wird stärker geahndet. Ist die Reaktion eines Wettkämpfers auf eine Verletzung unangebracht, so wird dieser direkt mit mindestens Keikoku Kategorie 2 bestraft. Vortäuschen nicht existierender Verletzungen hat nach wie vor die sofortige Disqualifikation (Shikkaku) zur Folge.
Zur Liste der Vergehen der Kategorie 2 zählt neu auch das Brust-an-Brust-Stehen, wenn nicht innerhalb von 2 Sekunden versucht wird, eine Technik anzubringen.
Gefährliche Würfe
Um Verletzungen durch gefährliche Würfe besser vorzubeugen, gelten hier verschärfte Regeln: das Ziehen an den Beinen des Gegners, sowie das Packen unterhalb der Hüfte und Heben des Gegners sind ausdrücklich verboten. Alle gefährlichen Würfe werden, auch wenn nur im Ansatz durchgeführt, mit einer Verwarnung oder Strafe der Kategorie 1 geahndet.
Signale der Kampfrichter
Die Handhabung der Signale der Kampfrichter wurde überarbeitet. Nachdem der Kampf unterbrochen wurde, gibt der Hauptkampfrichter seine Empfehlung für die Wertung ab. Entsprechend dieser signalisieren die Seitenkampfrichter ihre Meinung. Die Mehrheit der vier Stimmen entscheidet, welche Wertung erteilt wird.
Kata
Wenig geändert wurde das Kata-Reglement. Neu werden in Team-Wettkämpfen Bunkais auch für die Kämpfe um die dritten Plätze gezeigt.