Kolumne von Musu Bratschi
Und schon habe ich Zweifel. Ist dieser Titel bereits zu böse? Kaum, denn bis hierher weiss ja noch niemand, was ich damit meine. Oder doch? Kritisieren ist immer einfacher, als es selbst besser zu machen. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber gleichzeitig soll man nicht stetig die Faust im Sack machen, sondern sachliche Kritik üben. Dass meine Kritik nur bedingt sachlich bleiben kann hängt damit zusammen, dass ich für den Karatesport doch einiges an positiven Emotionen mit mir trage. Aber nun zur Sache und Positives am Anfang:
Die Pommes frites in Liestal war köstlich! Aber leider hat eine Portion frittierter Kartoffeln dermassen viele Kalorien, dass das übrige kulinarische Angebot nur noch mit der Nase und mit den Augen getestet werden durfte. Aber es duftete echt gut und auch das Auge war erfreut. Daher spreche ich sehr gerne den Organisatoren des SKL-Turniers in Liestal diesbezüglich sehr gerne ein grosses Kompliment aus. Mir als Zuschauer wurde wirklich etwas geboten. Danke.
Aber zum Glück war ich Zuschauer und nicht Wettkämpfer. Da hätten die Pommes noch so gut schmecken können…. Ich hätte mich nicht wohl gefühlt. Und letztlich habe ich mich auch als Vater von Athleten nicht wohl gefühlt! Wenn ich den Trainingsaufwand meiner Kinder, das hochprofessionelle Engagement der Trainer und Coaches, aber letztlich auch den Zeit- und Geldaufwand von uns Eltern in den Vergleich zur gebotenen Schiedsrichterleistung stelle, so geht diese Gleichung definitiv nicht auf. In den diversen Dojos der Schweiz wird ein grosser Aufwand betrieben und letztlich stehen die Wettkämpfer einem absoluten Minimalbestand an Schiedsrichtern gegenüber. Drei Schiedsrichter pro Tatami richten den Kata-Wettkampf und neuerdings auch die Kumite-Disziplin? Kann das sein? Ja, scheinbar schon. Toll für jeden Wettkämpfer der 3:0 gewinnt. Aber was, wenn – wie oft gesehen – das Verdikt 2:1 lautet? Zufall? Irrtum? Lotterie? Ein schaler Beigeschmack bleibt da hängen. Auch auf der Tribüne.
Wenn ich als Laie (d.h. Chauffeur, Sponsor, Vater, Fan etc.) das Konzept korrekt begriffen habe, so geht es darum, dass die Karatekas an drei SKL-Wettkämpfen Punkte erkämpfen, welche letztlich für die Qualifikation für die Schweizer Meisterschaft in Zürich entscheiden. Nun musste ich mir wirklich die Frage stellen, warum denn die drei Qualifikationswettkämpfe nicht nach dem gleichen Regelwerk durchgeführt werden? Richteten in Sursee noch 5 Schiedsrichter den Kata-Bewerb und 4 den Kumite-Bewerb, so waren es in Liestal wie erwähnt nur 3. Nun bin ich aber ganz schön gespannt, ob in Fribourg letztlich nur noch 1 Referee auf dem Tatami stehen wird…
Ich will nicht den einen Schiedsrichter kritisieren, der im Kumite nur den Rücken des einen Kämpfers sehen konnte, jedoch wiederholt sein Fähnlein für den (für ihn unsichtbaren) Gegner hob. Ich kritisiere nicht einzelne Schiedsrichter-Leistungen (ich schmunzle höchsten ab und zu ganz still darüber). Aber ich kritisiere die Schiedsrichter-Organisation.
Die Entwicklung des Karatesports schreitet stetig voran. Training, Coaching, Technik, Infrastruktur etc., alles entwickelt und modernisiert sich. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Daher hoffe ich im Sinne aller Trainer und Athleten und im Sinne der “Faszination Karate”, dass die Referees den Anschluss nicht verlieren….
Liebe Grüsse
Musu Bratschi

Musu Bratschi
29. April 2009